Bibliotheken, Archive und Museen sehen sich für die nächsten Jahrzehnte einer großen Herausforderung gegenüber: sie müssen ihre umfangreiche Bestände an Büchern, Zeitschriften und historischen Dokumenten den Nutzern in digitaler Form zur Verfügung stellen. Die Digitalisierung und Erschließung der eigenen Bestände stellt Bibliotheken und Archive jedoch vielfach vor organisatorische Herausforderungen. Schon ab einem mittleren Scanvolumen von mehreren Bänden pro Tag erscheint eine Aufteilung der Arbeitsschritte wie beispielsweise Arbeitsvorbereitung, Digitalisierung, Qualitätskontrolle, Image-Optimierung oder Meta- und Strukturdatenerfassung auf verschiedene, spezialisierte Mitarbeiter sinnvoll.
Diese einzelnen Workflow-Schritte müssen optimal verzahnt und organisiert werden. Zu diesem Zweck konzipierte eine Entwicklergemeinschaft mit Fördermitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und unter Federführung der SUB Göttingen und der SLUB Dresden die lizenzfreie, auf Basis des Open Source-Modells entwickelte Workflow-Lösung GOOBI. Zeutschel bringt nun mit GOOBI ZED (ZED steht für Zeutschel Edition) eine Komplettlösung für Digitalisierungsprojekte auf Basis der Open Source-Digitalisierungslösung auf den Markt. Im Zentrum steht hierbei GOOBI, welches durch Zusatzmodule und Services auf die spezielle Bedürfnisse des Kunden zugeschnitten wird und ihn von der Projektplanung bis hin zu dessen erfolgreichem Abschluss begleitet.
Chancen nutzen – Risiken meiden
Wenn Bibliotheken bei der Implementierung von Workflows für umfangreichere Massendigitalisierungen den Einsatz einer Open Source-Lösung planen, gilt es Chancen und Risiken gegeneinander abzuwägen. Zu den erheblichen Vorteilen gehören Kosteneinsparungen durch Wegfall von Lizenzgebühren und eine hohe Flexibilität durch schnelle Software-Anpassungen.
Die Notwendigkeit, ein hohes Maß an Eigenengagement zu entwickeln, zählt ebenso zu den Nachteilen wie eine oft ungenügende Dokumentation in unterschiedlichen Sprachen und fehlende Service- und Support-Leistungen.
Mit GOOBI ZED verbindet Zeutschel die Vorteile von Open Source-Software mit einem Mehrwert, der bedarfsabhängig hinzugefügt werden kann. Nach Ansicht von Zeutschel Geschäftsführer Jörg Vogler trägt sein Unternehmen damit den steigenden Ansprüchen seiner Kunden Rechnung: "Kunden verlangen heute nach Implementierungspartnern, die mit Produkten und Services den gesamten Digitalisierungsworkflow abdecken und sie in allen Projektphasen begleiten und unterstützen".
Mehrwerte schaffen
Mittels eines breiten Portfolios an optionalen Services, Support-Leistungen und Erweiterungen macht GOOBI ZED aus einer flexiblen Workflow-Software ein leistungsstarkes und anwenderfreundliches Werkzeug, das individuell an die Anforderungen der jeweiligen Einrichtung angepasst werden kann.
Zu den Dienstleistungen der Zeutschel Edition zählen ein umfangreiches Beratungs- und Schulungsangebot, die Integration in die vorhandene Infrastruktur, die Möglichkeit des Hostings, technischer Support rund um Konfigurationen, Betrieb und Updates sowie - last but not least - die Durchführung individueller Anpassungen.
Das gleichfalls umfassende Angebot an optionalen GOOBI-Erweiterungen umfasst die Einbindung von beim Kunden bereits vorhandener Hardware und Software aber auch die Erstellung einer vollständigen Dokumentation. Optional erhältlich sind auch Schnittstellen, wie jene für das Z39.50-Protokoll, das als Standard zur Abfrage von Informationssystemen Anwendung findet.
Ebenfalls optional an GOOBI ZED "andocken" lassen sich Zeutschel eigene Software-Applikationen wie beispielsweise die Zeutschel Scan-Software OS 12 oder das OS QM-Tool, eine Qualitätsmanagement-Software, die das neu entwickelte UTT-Testchart nutzt. Über die Workflow-Schicht von GOOBI ZED wird der Anwender damit in die Lage versetzt, automatisierte Qualitätskontroll-Workflows durchzuführen.
Gemeinsam gewinnen
Einen Interessenskonflikt zwischen dem Engagement von Dienstleistern wie Zeutschel und der Arbeit der GOOBI Entwickler-Community sieht Ralf Stockmann, Mitinitiator von GOOBI und stellvertretender Abteilungsleiter Forschung und Entwicklung an der SUB Göttingen nicht - ganz im Gegenteil: "Durch die Kooperation mit privaten Dienstleistern wie Zeutschel verfolgen wir drei Ziele: erstens den nutzenden Einrichtungen auch für ein Open Source-Produkt eine verlässliche und belastbare Support-Struktur zu bieten, zweitens die Dynamik des gemeinsamen Entwicklungsprozesses weiter zu steigern sowie drittens die internationale Sichtbarkeit und Anwendung unseres Produktes zu erweitern“.
Insgesamt ein Konzept, das wie Frank-Ulrich Weber, Projektleiter Workflow-Solutions bei Zeutschel, bestätigt, aufgeht. Er sieht sein Unternehmen gleichermaßen als Dienstleister und vitales Mitglied der GOOBI-Community.
"Bislang unrealisierte funktionale Anforderungen, die GOOBI ZED-Kunden an uns richten, werden dahingehend beurteilt, ob es sich um sehr spezielle Funktionalitäten handelt oder um solche, die für eine breite Anwenderschicht von Interesse sind. Im ersten Fall wird der ZED-Anwender von uns exklusiv ein auf seine Bedürfnisse maßgeschneidertes Software-Erweiterungsmodul bekommen, im zweiten Fall werden wird ein entsprechendes Erweiterungsmodul zur Verfügung stellen, oder nach Abstimmung mir der GOOBI-Community diese Funktionalität in den GOOBI Software-Kern integrieren, so dass diese Funktionalität künftig allen GOOBI-Nutzern lizenzfrei zur Verfügung steht.", erläutert Frank-Ulrich Weber.
Mit Kompetenz Umsatzpotenziale erschließen
Derweil treiben die GOOBI-Initiatoren den funktionalen Ausbau der Digitalisierungslösung voran. Eine "allgemeine" Plugin-Schnittstelle, an der beliebige Software-Unternehmen zukünftig auch eigene Closed Source-Module andocken und separat verkaufen können, ist nach Angaben von Ralf Stockmann in Planung. Die Verfügbarkeit einer derartigen Schnittstelle erleichtert die Arbeit von Software-Entwicklern und könnte nach Ansicht von Experten die Zahl der verfügbaren GOOBI-Erweiterungsprogramme und damit den Bekanntheitsgrad und die Akzeptanz von GOOBI schnell deutlich erhöhen. Ein Schritt, der von Zeutschel begrüßt wird. Auch hier wird konsequent an der Konzeption von neuen Erweiterungsmodulen gearbeitet.
Dass es Zeutschel mit der Wandlung zum Lösungsanbieter ernst ist, zeigt das Unternehmen auch anhand veränderter Unternehmensstrukturen. Der Ausbau der personellen Ressourcen in den Bereichen technische Beratung und Software-Entwicklung wird flankiert durch die Neustrukturierung des nationalen wie internationalen Partner-Netzwerks im Hinblick auf OSCAR.
"Die steigende Nachfrage nach Digitalisierungslösungen im Bibliotheksumfeld eröffnet spezialisierten Partner attraktive Umsatzpotenziale", erklärt Zeutschel Verkaufsleiter Horst Schmeissing. Mit einem zweistufigen auf regelmäßigen Zertifizierungen basierenden Partnerkonzept, das zudem zwischen Vertriebs- und Implementierungspartnern unterscheidet, möchte Zeutschel den hohen Anforderungen gerecht werden.
Derweil konnte Zeutschel mit der Hochschule der Medien in Stuttgart jetzt den ersten Referenzkunden für GOOBI ZED gewinnen. Dort dient die Workflow-Software in der Lehre als Schulungs-Tool für angehende Bibliothekare. Zudem ist der Einsatz beim Aufbau einer digitalen Bibliothek geplant.
Über GOOBI Digital Library Modules
Die über Workflows steuerbare Digitalisierungslösung "GOOBI" (Göttingen online-objects binaries) wurde im Verbund deutscher Bibliotheken entwickelt, um diese beim Aufbau ihrer eigenen digitalen Bibliothek zu unterstützen. Hierfür wird von Seiten der Kernentwickler - der Staats- und Universitätsbibliothek (SUB) Göttingen sowie der Sächsische Landesbibliothek Staats- und Universitätsbibliothek (SLUB) Dresden) - unentgeltlich eine Infrastruktur zur Verfügung gestellt. Diese beinhaltet den zentralen Subversion (SVN)-Server, ein Bugtracking-System, Dokumentationshilfen, Guidelines sowie Kommunikationsforen.
Der Aufbau von GOOBI folgt einem modularen Baukastenprinzip. Die einzelnen Elemente sollen sich austauschen lassen und kommunizieren über definierte Schnittstellen miteinander. Generell werden drei Bereiche unterschieden: die Produktionsebene in der die digitalen Objekte wie etwa Digitalisate produziert werden, die Präsentationsebene in der die Objekte in der Digitalen Bibliothek präsentiert und genutzt werden können, zum Beispiel in Form von Webauftritt, sowie eine Verbindungsebene zwischen den beiden, die das eigentliche Repository oder Archiv darstellt. Beide Ebenen können unabhängig voneinander installiert und betrieben werden.
Zu den GOOBI-Anwendern zählen - neben den genannten Initiatoren - u.a. die Staatsbibliothek Berlin, die Universität Kassel, die Johannes a Lasco Bibliothek Emden, die Württembergische Landesbibliothek Stuttgart, die Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena und die Universitätsbibliothek Braunschweig. http://www.goobi.org/
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Über Zeutschel:
Die Zeutschel GmbH mit Sitz in Hirschau bei Tübingen ist führender Spezialanbieter im Bereich Kulturgutschutz und liefert seit mehr als 40 Jahren Geräte, Lösungen und Systeme für das Dokumenten- und Archivmanagement. Mit seinen mehr als 60 Mitarbeitern entwickelt, produziert und vertreibt Zeutschel Scansysteme, Soft- und Hardwarelösungen wie Campus-Software, Lieferdienst-Software, Bildananalyse-Software, Capturing-Software sowie Mikrofilm-Systeme, Hybridsysteme und Lesegeräte. Die Lösungen und Systeme von Zeutschel werden von Bibliotheken, Archiven, Universitäten, Katasterämtern und Wirtschaftsunternehmen weltweit eingesetzt.
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