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Faksimile-Qualität für Forschungszwecke

Die Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz verwahrt etwa 80 % der heute noch erhalten gebliebenen Bach-Autographen – darunter vollständige Werke, Fragmente, Partituren und Stimmen.


Johann Sebastian Bach hinterließ etwas Besonderes. Viele seiner Kompositionen existieren als eigenhändige Niederschrift. Diese überlieferten Autographen sind jedoch in ihrer Erhaltung stark gefährdet und konnten im Original bisher nur sehr eingeschränkt genutzt werden. Das von der DFG geförderte Projekt ‚Bach Digital’ (www.bach-digital.de) hat sich daher zum Ziel gesetzt, alle erhaltenen Autographen und andere Originalquellen der Werke des großen deutschen Komponisten in einer Digitalen Bibliothek zusammenzuführen und im Internet frei zugänglich zu machen. Die Erstellung hochauflösender Scans stellte eine der zentralen Projektkomponenten dar.

Zitat:
„Unser Qualitätsanspruch war die originalgetreue Reproduktion der historischen Vorlagen“
Andreas Mälck, Leiter der Abteilung Bestandserhaltung und Digitalisierung an der Staatsbibliothek zu Berlin.

Digitalisierung bietet Mehrwerte
Die Bach-Autographen gelten als historisch einmalige Quellensammlung, ob für die musikwissenschaftliche Forschung oder für musikpraktische Fragestellungen der Gegenwart.

Die Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz verwahrt etwa 80 % der heute noch erhalten gebliebenen Bach-Autographen – darunter vollständige Werke, Fragmente, Partituren und Stimmen. Weitere 10 % befinden sich im Besitz der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden sowie der Stiftung Bach-Archiv Leipzig.
Die dauerhafte Bewahrung der Musikhandschriften entwickelte sich zu einer der großen Bibliotheksherausforderungen. Mit Hilfe des manuellen Papierspaltens gelang es den Berliner Verantwortlichen schon vor Jahren, dem Tintenfraß nachhaltig zu begegnen und tausende Blätter  vor weiteren Verfall zu retten.

„Zum Selbstverständnis der Staatsbibliothek gehört neben der physischen Sicherung auch die Erschließung und Nutzbarmachung ihrer Sammlungen“, ergänzt Andreas Mälck.

Bereits Ende der 90er Jahre sind die Bach-Handschriften daher verfilmt worden, um in einer Mikrofiche-Edition zu erscheinen. Jetzt bieten sich durch die Digitalisierung der historischen Quellen neue Anwendervorteile. Dazu gehören umfangreichere Recherchemöglichkeiten sowie der orts- und zeitunabhängige Zugriff. Und die Qualität der hochauflösenden Digitalisate ist gegenüber den Fiches wesentlich höher.

Im April 2008 fiel deshalb der Startschuss zum Aufbau einer digitalen Bibliothek, die alle Autographen Johann Sebastian Bachs, dazu alle von ihm benutzten Aufführungsstimmen sowie seine Abschriften fremder Werke enthält.
Projektpartner sind die drei Institutionen mit ihren handschriftlichen Bach-Beständen sowie das Universitätsrechenzentrum Leipzig, das für die Bereiche Datenbankaufbau- und –recherche sowie die Langzeit-Datenhaltung zuständig ist.

„Mit dem Projekt ‚Bach Digital’ lassen sich zusammengehörige – heute aber getrennt aufbewahrte – Quellen virtuell wieder vereinen. Zugleich werden die besitzenden Bibliotheken entlastet und vor allem die Handschriften selbst geschont“, erläutert Dr. Martina Rebmann, Leiterin der Musikabteilung an der Staatsbibliothek zu Berlin.

Höchste Digitalisierungsanforderungen
Die Voraussetzungen für die Umsetzung des Digitalisierungsprojekts sind günstig gewesen. So liegt bereits eine Quellendatenbank mit umfangreichen Metadaten und vielfältigen Recherchemöglichkeiten vor. Diese Datenbank wird nun mit Bildern der Handschriften ergänzt.

Die Ansprüche an die Qualität der Images waren extrem hoch. „Manche Fragen in der Bach-Forschung erfordern sehr gute Darstellungen, selbst kleinste Details wie Strichunterschiede müssen genau erkennbar sein“, betont Dr. Martina Rebmann.
Andreas Mälck verweist auf einen weiteren Aspekt, der die hohe Digitalisierungsqualität unabdingbar machte: „Bei der historischen Bedeutung des Materials und dem hohen personellen und logistischen Aufwand konnten wir Re-Scans nicht akzeptieren. Das Einscannen musste beim ersten Mal klappen“.

Diese Aufgabe übernahm die MIK Center GmbH, ein Systemhaus für Scan- und Mikrofilmservices. Für die digitale Erfassung der Dokumente kam der Zeutschel OS 14000 in der A1-Ausführung zum Einsatz. Der Aufsichtsscanner wurde von MIK für mehrere Monate in der Staatsbibliothek aufgestellt.

Der Zeutschel OS 14000 erfüllte die in der Ausschreibung festgelegten Parameter für einen besonders schonenden Digitalisierungsprozess mit qualitätsvollen Ergebnissen. Dazu gehörten keine UV/IR-Strahlung beim Scanvorgang, keine thermische Belastung der Originale und vor allem eine optische Auflösung von 600 dpi bei 24-Bit Farbtiefe.

Die definierte Image-Qualität setzte zudem eine originalgetreue Farbwiedergabe voraus. Genau dieser Punkt stellte alle Projektbeteiligten vor große Herausforderungen. „Die unterschiedliche Beschaffenheit und spezifischen Eigenschaften historischer Papiere verhinderten die Nutzung von Standard-Farbprofilen“, erläutert Andreas Mälck.

Die Lösung bestand darin, den Papierton mittels Spektralfotometers auszumessen und auf Basis der ermittelten Ergebnisse dann das Farbprofil zu editieren. Ein Prozess, der zwar etwas Zeit in Anspruch nahm, sich am Ende jedoch lohnte: „Heute liefern wir Faksimile-Qualität“, berichtet Andreas Mälck. Er lobt in diesem Zusammenhang die enge Zusammenarbeit mit Scanner-Hersteller und Dienstleister, die zur Problemlösung wesentlich beigetragen hätten.

Qualität und Produktivität
Der Digitalisierungsprozess selbst folgte einem klar definierten Tagesablauf, bei dem großer Wert auf Genauigkeit und Sorgfalt gelegt wurde. Das begann bei der Abholung der Autographen aus dem Tresor, ging weiter mit der Überführung in einen fensterlosen und gesicherten Scan-Raum und endete mit der Kontrolle der Dokumente vor dem Rücktransport in den Tresorraum.

Die Scan-Operatoren des Dienstleisters erhielten eine spezielle konservatorische Schulung für den Umgang mit den wertvollen Materialien und genaue Vorgaben, welche Informationen der Dateiname (wie Blattzählung und Signaturen) enthalten muss. Am Ende des Tages kontrollierten wissenschaftliche Mitarbeiter die digitalen Daten unter anderem auf Bildqualität, Vollständigkeit und Dateibenennung. In drei Lieferungen sind die Digitalisate dann vom Dienstleister auf Festplatten nach Leipzig ins Universitätsrechenzentrum transportiert worden, nachdem sie zuvor bereits in das Datennetz der Staatsbibliothek eingespeist worden waren.

Pro Tag konnten ca. 250 Seiten verarbeitet werden. „Vor dem Hintergrund der zeitintensiven Vorbereitung sind wir mit der Produktivität des Scan-Prozesses sehr zufrieden. Und gleichzeitig erzielten wir eine außergewöhnliche Image-Qualität“, ergänzt Dr. Martina Rebmann. Der Scan-Zeitraum umfasste ca. 5 Monate. Die gesamte Datenmenge betrug bei der hohen Auflösung von 600 dpi am Ende vier Terabyte.

Neuinterpretation der Quellen
Auch wenn der Digitalisierungsvorgang abgeschlossen ist, wird die Verarbeitung der digitalen Daten noch einige Zeit in Anspruch nehmen. So kümmert sich eine Musikwissenschaftlerin im gesamten Projekt-Zeitraum, der bis 2011 terminiert ist, um die Ergänzung und Erweiterung der Metadaten (vor allem zu Schreibern, Papiersorten und Wasserzeichen der Einzelstimmen).
Einige digitalisierte Werke sind bereits jetzt im Internet unter www.bach-digital.de zu sehen, nach Abschluss des Projekts werden mehr als 20.000 Seiten in 697 Werken online zur Verfügung stehen.

Es gibt derzeit schon die ersten Überlegungen für eine Fortsetzung des Projekts. Geplant ist, zusätzlich zu den Autographen auch Abschriften, frühe Drucke oder weitere relevante Quellen zu Bachs Kompositionen digital einzufügen. Auch entsprechende Quellen seiner Söhne oder weiterer Mitglieder der Bach-Familie sollen Eingang in das Projekt finden.
„Bach Digital wird neue musikwissenschaftliche Fragestellungen ermöglichen und eine Neuinterpretation der Werke Johann Sebastian Bachs fördern. Dadurch werden neue Impulse auf die unterschiedlichsten Bereiche der Bach-Forschung ausgehen“, kommentiert Dr. Martina Rebmann abschließend.

Die Staatsbibliothek zu Berlin
Als größte wissenschaftliche Universalbibliothek Deutschlands ist die Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz ein Zentrum der nationalen und internationalen Literaturversorgung. Über 10,7 Millionen Bände umfasst allein ihr seit knapp 350 Jahren gewachsener Druckschriftenbestand, hinzu kommen über 2,2 Millionen weitere Druckwerke und andere oft unikale Materialien in den Sondersammlungen - darunter abendländische und orientalische Handschriften, Musikautographe, Autographe und Nachlässe, Karten, historische Zeitungen. Eine ständig wachsende Zahl an Datenbanken und anderen elektronischen Ressourcen ergänzen die Bestände.

Über Zeutschel:

Die Zeutschel GmbH mit Sitz in Hirschau bei Tübingen ist ein renommierter Spezialanbieter im Bereich Kulturgutschutz und liefert seit mehr als 40 Jahren Geräte, Lösungen und Systeme für das Dokumenten- und Archivmanagement. Mit seinen mehr als 60 Mitarbeitern entwickelt, produziert  und vertreibt Zeutschel Scanner, Capturing-Software, Mikrofilm-Kameras, Hybridsysteme sowie Lesegeräte. Die Lösungen und Systeme von Zeutschel werden von Bibliotheken, Archiven, Universitäten, Katasterämtern und Wirtschaftsunternehmen weltweit eingesetzt.

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